Dezernat 5: Gebäude- Sicherheits- und Umweltmanagement

Unterstützung

Falls Sie Fragen zur Durchführung der psychischen Gefährdungsbeurteilung haben und Unterstützung benötigen, wenden Sie sich gerne an mich.

Gesetzlicher Rahmen

Das 1996 in Kraft getretene Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) legt für alle Arbeitgeber die wichtigsten Grundlagen im Arbeitsschutz fest: "Maßnahmen des Arbeitsschutzes im Sinne dieses Gesetzes sind Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen bei der Arbeit und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren einschließlich Maßnahmen der menschengerechten Gestaltung der Arbeit." (§ 2,1 ArbSchG). "Die Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung für das Leben sowie die physische und die psychische Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst geringgehalten wird." (§ 4,1 ArbSchG). Notwendig hierfür ist eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen, die § 5 geregelt ist: "Der Arbeitgeber hat durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind."

Im Oktober 2013 wurden die in § 5 Abs. 3 aufgezählten möglichen Gefährdungsquellen im Arbeitsschutzgesetz explizit um die psychischen Belastungen bei der Arbeit ergänzt.

Psychische Belastung und Beanspruchung

Da der Begriff der psychischen Belastung mit seinen Implikationen eine zentrale Rolle spielt, soll er hier genauer erläutert werden, denn sowohl umgangssprachlich als auch im wissenschaftlichen Kontext wird er teils unterschiedlich aufgefasst und benutzt. Die Definition der internationalen Norm DIN EN ISO 10075-1 (1a) lautet:

Psychische Belastung ist die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken."

Diese Einflüsse werden in der Arbeitspsychologie zunächst als neutral angesehen, da es sowohl von der Art der Einflüsse als auch vom jeweiligen Menschen abhängt, ob sie beispielsweise als anregend und motivierend oder als schädlich wahrgenommen werden. Unter psychischen Vorgängen versteht man die Wahrnehmung, das Denken und Fühlen sowie die Auswirkungen dieser Vorgänge auf das Verhalten.

Psychische Beanspruchung ist die unmittelbare (nicht langfristige) Auswirkung der psychischen Belastung im Individuum in Abhängigkeit von seinen jeweiligen überdauernden und augenblicklichen Voraussetzungen, einschließlich der individuellen Bewältigungsstrategien." (DIN EN ISO 10075-1).

Belastungs- und Beanspruchungsmodell

Bei jedem Menschen sind die genetischen, körperlichen, geistigen und sozialen Voraussetzungen unterschiedlich ausgeprägt. Diese zum Teil überdauernden und aktuellen Voraussetzungen umfassen z.B. Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand, Persönlichkeit, Erfahrungen, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Motive und Einstellungen sowie Ressourcen und Schutzfaktoren, die einem Menschen zur Verfügung stehen. Auch die individuellen Bewältigungsstrategien, die beispielweise in schwierigen Situationen wirksam werden, sind abhängig von den überdauernden und aktuellen Voraussetzungen eines Menschen. Das im Folgenden dargestellte Modell verdeutlicht die Zusammenhänge zwischen Belastung und Beanspruchung.
 

Psychische Belastungen in der Arbeitswelt

Durch die stetige Zunahme psychischer Erkrankungen, als Folge eines gesellschaftlichen Wandels und möglicherweise einer größeren Sensibilität gegenüber diesen Krankheiten, ist die Arbeitswelt mit ihren Auswirkungen auf den Menschen als wichtiges Feld präventiver Maßnahmen stärker in den Fokus gerückt ist.

Anlass für die explizite Aufnahme der psychischen Belastungen in das Arbeitsschutzgesetz waren, neben allgemeinen Veränderungen in der Arbeitswelt wie z. B. der zunehmenden Arbeitsverdichtung durch Rationalisierung, dem steigenden Durchschnittsalter der Beschäftigten sowie der längeren Lebensarbeitszeit, die Ergebnisse des "Stressreports Deutschland 2012" der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Diese wiesen auf einen dringenden Handlungsbedarf hin, da schon seit geraumer Zeit psychische Erkrankungen die häufigste Krankheitsursache sind. Diese verursachen die längsten Fehlzeiten (vgl. Gesundheitsreporte der Krankenkassen) und eine hohe Zahl an Frühverrentungen und sind, neben den schwerwiegenden Folgen für den einzelnen Menschen, mit immensen gesamtgesellschaftlichen Folgekosten verbunden.

In einer aktuellen Langzeitanalyse der Versichertendaten der DAK aus den Jahren 1997 - 2018 (DAK Psychoreport 2019) zeigte sich, dass sich die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen von 1997 im Vergleich zu 2018 verdreifacht hat.

Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die Einfluss darauf nehmen, ob ein Mensch im Laufe seines Lebens psychisch erkrankt, wie z.B. die genetische Prädisposition, die individuelle biographische Lebensgeschichte, die Persönlichkeit, Bewältigungsstrategien beim Umgang mit belastenden Ereignissen, protektive Faktoren und vieles mehr. Während der eine Mensch unter bestimmten Bedingungen erkrankt, bleibt der andere gesund. Dieser wichtige individuelle Faktor sollte bei der Betrachtung der Thematik nicht gänzlich aus dem Blick geraten.

Depressionen sind die häufigste psychische Erkrankung. Folgende Risikofaktoren am Arbeitsplatz können die Entwicklung einer depressiven Erkrankung begünstigen (Rau 2010):

  • eine hohe Arbeitsintensität,
  • geringe soziale Unterstützung,
  • soziale Stressoren z.B. Konflikte oder Schwierigkeiten mit Kollegen/innen, Vorgesetzten, negatives Arbeitsklima, soziale Isolation.
  • ein Ungleichgewicht zwischen Leistung (Anstrengung) und Belohnungen (z.B. Gehalt, Anerkennung, Wertschätzung, Möglichkeiten beruflichen Aufstiegs).

Psychische (Fehl-)Belastungen stehen aber auch im Zusammenhang mit körperlichen Beschwerden und Erkrankungen wie z.B. Herzkreislauferkrankungen, Rückenschmerzen, Schlafstörungen oder Magen-Darm-Erkrankungen. In einer akuten Stresslage wird der Körper durch die Ausschüttung von Hormonen und neuronalen Botenstoffen aktiviert, um eine möglicherweise lebensbedrohliche oder als schädigend bewertete Situation zu bewältigen. Ein anhaltender Stresszustand kann durch die permanente Bereitstellung von Energie vielfältige körperliche und psychische Erkrankungen nach sich ziehen. Erschöpfung, Übermüdung und mangelnde Konzentrationsfähigkeit wiederum sind Risikofaktoren für Arbeitsunfälle.

Ein empirisch belegter arbeitsbezogener Risikofaktor für psychische und kardiovaskuläre Erkrankungen ist eine hohe Arbeitsintensität, die mit einem geringen Handlungsspielraum und niedriger sozialer Unterstützung einhergeht (vgl. BAuA 2014, Beck 2017).

Die Ergebnisse veranschaulichen, dass es Arbeitsmerkmale gibt, die sich je nach Ausprägung positiv oder negativ auf die Beschäftigten auswirken können.

Beispielsweise sind Anerkennung und Wertschätzung durch Vorgesetzte die bedeutendste psycho-soziale Ressource. Für Beschäftigte in der 2. Hälfte des mittleren Lebensalters (Frauen über 45, Männer über 50) hat das Vorgesetzten-Verhalten den stärksten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. Giesert, 2010; Ilmarinen & Tempel, 2002). Personen, bei denen die Anerkennung und Wertschätzung durch die Vorgesetzten zunimmt, haben eine 3,6-fach erhöhte Chance, ihre Arbeitsfähigkeit zu verbessern, während eine Abnahme das Risiko der Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit um das 2,4-Fache erhöht. Vorgesetzte tragen maßgeblich z.B. durch ihr alltägliches Kommunikations-, Entscheidungs- und Konfliktverhalten zum gesundheitlichen Wohlbefinden ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei (Badura et al. 2008, S. 161).

Auch in einer Metaanalyse zum Zusammenhang von Führungsverhalten und Gesundheit von Gregersen et al. (2011) zeigte sich, dass die soziale Unterstützung durch Vorgesetzte mit einer höheren Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten einhergeht und einen positiven Einfluss auf deren Gesundheit hat. Eine gesundheitsförderliche Wirkung konnte z.B. in Bezug auf die Bereitschaft des Vorgesetzten, den Beschäftigten Mitbestimmung und Beteiligung einzuräumen sowie in Bezug auf Anerkennung, Wertschätzung und der Art Kommunikation mit dem Vorgesetzten bestätigt werden. Das Führungsverhalten kann also je nach Ausprägung sowohl als Stressor oder als gesundheitsförderliche Ressource wirken.

Die Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig es ist, Arbeitsbedingungen gesundheitsförderlich zu gestalten und Faktoren, die belasten und krankmachen können, möglichst gering zu halten oder zu vermeiden.

(aktualisiert am 03.12.2020)

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Arbeit und psychische Belastungen finden Sie zum Beispiel auf den Seiten der Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie" unter https://www.gda-psyche.de

Ausgewählte Literatur

Beck, David (2017):
Empfehlungen zur Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung. Arbeitsschutz in der Praxis.

3., erweiterte Auflage. Berlin: Leitung des GDA-Arbeitsprogramms Psyche.

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) (2014):
Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung. Erfahrungen und Empfehlungen.
Berlin: Erich Schmidt Verlag GmbH & Co.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin:
Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit – Berichtsjahr 2017 Unfallverhütungsbericht Arbeit.

DAK Gesundheitsreport (2020).
Stress in der modernen Arbeitswelt. Sonderanalyse: Digitalisierung und Homeoffice in der Coronakrise.
Heidelberg: medhochzwei-Verlag (Beiträge zur Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung, Band 33).

DAK Psychoreport 2019:
Arbeitsunfähigkeiten aufgrund psychischer Erkrankungen. Entwicklungen der Jahre 1997 – 2019.
Hamburg: DAK Gesundheit.

DAK Gesundheitsreport (2018): Hamburg: DAK Gesundheit.

Giesert, M. (Hrsg.) (2010).
Psychisch gesund bleiben. Betriebliche Gesundheitspolitik für die Praxis - aus der Praxis.
Hamburg: VSA-Verlag.

Gregersen, S.; Kuhnert, S.; Zimber, A.; Nienhaus, A. (2011):
Führungsverhalten und Gesundheit - Zum Stand der Forschung.
In: Gesundheitswesen (Bundesverband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (Germany) 73 (1), S. 3–12. DOI: 10.1055/s-0029-1246180.

Ilmarinen, J. & Tempel J. (2002).
Arbeitsfähigkeit 2010 – Was können wir tun, damit Sie gesund bleiben?
Hamburg: VSA-Verlag.

Joiko, Karin; Schmauder, Martin; Wolff, Gertrud (2010):
Psychische Belastung und Beanspruchung im Berufsleben. Erkennen - gestalten.
5. Aufl. Dortmund: Baua.

Klenke, Benjamin (2016):
Psychische Gefährdungsbeurteilungen in deutschen Unternehmen – Anforderungen, aktueller Stand und Vorgehensweisen.

In: Argang Ghadiri, Anabel Ternès und Theo Peters (Hg.): Trends im Betrieblichen Gesundheitsmanagement: Ansätze aus Forschung und Praxis. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden, S. 17-26.

Knieps, Franz; Pfaff, Holger (Hg.) (2018):
Arbeit und Gesundheit Generation 50+. Zahlen, Daten, Fakten.
MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; BKK Dachverband. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (BKK Gesundheitsreport, 2018).

Lohmann-Haislah, Andrea (Hg.) (2012):
Stressreport Deutschland 2012. Psychische Anforderungen, Ressourcen und Befinden.
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Stressreport Deutschland, 2012).

Rau, R. (2010).
Untersuchung arbeitsbedingter Ursachsachen für das Auftreten von depressiven Störungen: Forschung Projekt F 1865.
Dortmund: BAuA.

Techniker Krankenkasse:
Gesundheitsreport 2018. Fit oder fertig? Erwerbsbiografien in Deutschland
(Gesundheitsreport, 2018).

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